Wer schonmal von autogenem Training gehört hat, kennt folgende Situation. Bei einem wichtigen Endspiel im Fußball laufen zwei Teams auf, das eine wirkt gestresst, angespannt und nervös. Das andere allerdings wirkt motiviert und strahlt geradezu von Power und Energie. Während das eine Team die Eistellung ‚Wir haben eh schon verloren‘ hat, wird das andere Team am Ende der Sieger sein. Die Spieler wussten es und alle Zuschauer auch.

Der Spruch „Alles reine Kopfsache“ kommt nicht von irgendwoher. Was wir mental können, können wir auch. Was wir uns metal schon nicht zutrauen, wird am Ende nichts. Und darauf können wir uns für unsere sportlichen Leistungen einiges holen. Kurz um: Wer weiß, wie man autogenes Training umsetzen kann, kann seine Leistung mental beeinflussen.

Für Spitzensportler ist das längst kein Geheimnis mehr. 

Wer sich in der Früh aus dem Bett quält und keine Lust auf Sport hat, die Gedanken einem weismachen wollen, dass die Beine eh viel zu schwer sind, der wird auch keinen tollen Lauf haben. Wenn man im Gegenteil vielleicht trotz schlechtem Morgen positiv denkt, sich aufwärmt, dehnt und mit guter Musik in seinen Lauf startet, hat automatisch schon autogen nachgeholfen. Die positive mentale Einstellung wird die physische Leistung auf jeden Fall beeinflussen.

Autogenes Training beginnt in uns. Positive Gedanken stärken uns, im Leben, aber auch im Sport. Wer andauernd negativ denkt, schlecht drauf ist, wird auch sportlich nicht die Leistung erbringen, zu der er eigentlich fähig wäre. Oft stolpert man auch zufällig in den Momenten, in denen man etwas negatives gedacht hat. In solchen Fällen helfen positive Affirmationen, positive Sätze, die man sich selbst laut sagt, oder die einem gesagt werden.

Einer dieser positiven Affirmationen bin ich auf meiner Reise durch Thailand begegnet. Sie nennt sich ‚Attitude of Gratitude‘, oder zu Deutsch: Eine dankbare Grundeinstellung. Sie lehrte mir, dass egal was kommt, ich in jeder Situation etwas finden kann, wofür ich dankbar bin. Auch im Sport hat mich das sehr viel weitergebracht. Manchmal gibt es diese Tage, an denen es einfach nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Manchmal fehlte mir die Kraft zum Laufen, zum Trainieren. Und genau in den Momenten fand ich mich dann zum Beispiel an wunderschönen Orten wieder, an die ich nie kommen hätte können, wenn ich nicht erst losgelaufen, sondern einfach im Bett geblieben wäre. Die schönsten Sonnenuntergänge sah ich an Tagen, an denen aus einem vermeintlich schlechtem Lauf ein Spaziergang wurde. 

Eine wissenschaftliche Studie hat einmal Testpersonen in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe davon wartete in einem Raum, in Stille, ohne zu wissen was sie erwartet. Die andere Gruppe, die auch nicht wusste, was kam, hörte in ihrem Warteraum einer Aufnahme mit Kopfhörern zu. Diese Aufnahme war eine Affirmation, die den einzelnen Teilnehmern Mut zusprach, egal, was sie erwartet, sie werden darauf ausreichend vorbereitet sein. Beide Gruppen endeten bei einem ungeplanten Vorstellungsgespräch, bei dem die Gruppe mit der positiven Affirmation im Gegensatz zur anderen Gruppe mit eher aufrechter Haltung und Lächeln auftrat. Und es ist klar, welche beider Gruppen wohl eher den Job bekommen hätten.

Um das Ganze zurück zum Thema Sport zu bringen: Es ist egal, ob es um einen schlechten Lauf ging, den man vielleicht sogar abbrechen musste, oder ob man im Kraftraum bei einer Übung mit weniger Gewicht trainieren musste, als man es sonst tut, weil einem die Kraft fehlte - da ist dieser Frust in uns. Man ärgert sich, dass es nicht so klappt. Dass Kraft, Kondition fehlen oder dass man noch nicht an seinem Wunschgewicht angekommen ist. In diesem Moment stehen wir uns mental selbst im Weg. Und statt frustriert das Handtuch zu werfen, die Hanteln in die Ecke zu pfeffern oder vielleicht Frustfressen, muss das mit der Kopfsache geklärt werden.

Damit wir das beste aus unserem Potential herausholen können, ist das Werkzeug namens Mentaltraining oder autogenes Training genau die Lösung, die wir brauchen.

Mentaltraining wird von Sportlern eingesetzt, um den Fokus und die Konzentration zu schärfen, Bewegungsabläufe zu optimieren und das Selbstwertgefühl zu steigern. Die Leistungsfähigkeit kann somit verbessert werden, um im richtigen Moment das Optimum aus einem herauszuholen. 

Und hierbei geht es nicht um irgendeinen esoterischen Bullshit wie „wie innen so außen“ oder „wenn es innen nicht klappt, ist es vielleicht ein Zeichen, dass…“, sondern um eine Methode, die von vielen Sportlern angewandt wird, die vor allem in Wettkampfsituationen mental gefordert sind. 

Es ist definitiv nicht möglich, einen Marathon zu laufen, nur weil man es sich in seinen Gedanken ausmalt, aber jemand, der sich nie vorstellt einen Marathon zu laufen, wird es sicherlich auch nie schaffen. Der Kopf ist nicht alles, aber ohne den Kopf ist alles nichts. 

Praktisch gesehen ist für Mentaltraining eine grundliegend positive Einstellung unabdingbar. Zudem kann man sich durch Bilder vor Augen halten, wie das jeweilige Ziel aussehen wird und es sich bewusst machen. Dadurch verankern wir uns dieses Ziel im Unterbewusstsein und entspannen uns. Ein bestimmter Bereich im Gehirn sendet uns später, wenn wir dann real laufen oder trainieren, das Signal, dass wir dieses bestimmte Ziel schon erreicht haben. So werden gewisse Ängste gar nicht erst in uns aufkommen.

Autogenes Training oder Mentaltraining ist kein Garant für sportlichen Erfolg. Zumindest kann man sich Hürden aus dem Weg räumen, die dem Erfolg bisher vielleicht nur im Weg standen.